Die Südwestfront des Ersten Weltkriegs an der Grenze zwischen Italien und Österreich-Ungarn stürzte viele europäische Völker in die Wirren des Krieges und hatte auch auf unsere Region verheerende Auswirkungen. Fast ein Jahrhundert später erinnern ein dichtes Netz aus Waldwegen, Militärstraßen und Resten von Bahngleisen sowie Schützengräben, Kavernen, Festungen, strategische Artilleriestellungen und Friedhöfe an die Schlachtfelder, die sich vom Ortler in den Alpen bis zur Adria erstreckten.
Vor etwa dreißig Jahren beschloss eine Gruppe von Enthusiasten, die später den Verein „Dolomitenfreunde“ gründeten, alle ehemaligen Militärwege wiederherzustellen, die über die Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs führten und einst eine Trennlinie zwischen den Völkern Europas bildeten. Heute bringen diese Straßen und Wege die Völker Europas einander näher. Sie beschlossen außerdem, alle Schlachtfelder wiederherzustellen, die zu verfallen oder zuzuwachsen drohten und auf denen Soldaten verschiedener Nationen gestorben waren, um die Erinnerung an ihr unsägliches Leid zu bewahren. Auf diesen Wegen, die heute „Wege des Friedens“ heißen, begegnen sich Menschen und erinnern sich an die Sinnlosigkeit aller Gräuel, die ein Krieg mit sich bringen kann.
Zur gleichen Zeit beschloss die Gemeinde Miren-Kostanjevica, die Wege des Friedens auf dem ehemaligen Schlachtfeld im Karst, dem südlichsten Teil der Isonzofront, wiederherzustellen und instand zu setzen. Die Gemeinde startete das Projekt „Wege des Friedens im Karst“, das die Wiederherstellung von Wander- und Radwegen umfasst, um die Zeugnisse des historischen Erbes aus dem Ersten Weltkrieg sowie weitere, vor allem für den Karst typische Naturdenkmäler zu erhalten und zugänglich zu machen. Mit der Wiederherstellung dieser Wege will die Gemeinde den Tourismus beleben und eine nachhaltige Entwicklung sowohl des Karstgebiets der Gemeinde als auch des Vipava-Tals sichern. Für die Umsetzung des Projekts erhielt die Gemeinde Fördermittel aus dem Phare-Programm für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Italien und Slowenien, da die Planung und Wiederherstellung der Wege gemeinsam mit unserem wichtigsten italienischen Partner, der Provinz Görz, erfolgt. Auf beiden Seiten der Grenze entstehen mehrere Informationszentren mit Museen und Themenwanderwegen. Jedes Zentrum stellt eine Besonderheit der Karstschlachtfelder vor – von den Gebieten der direkten Kampfhandlungen mit Schützengräben und Kavernen bis zu den Gebieten, aus denen die Soldaten an der Front versorgt und unterstützt wurden. Die Zentren werden durch Wander- und Radwege miteinander verbunden. Das erste Zentrum auf slowenischer Seite entstand in Lokvica und zeigt die Merkmale der direkten Kampfhandlungen. Das zweite Informationszentrum wird im Gebiet von Temenica eingerichtet und dort die Versorgung und Unterstützung der Front vorstellen.
Eine Kaverne ist ein von Menschen angelegter, höhlenartiger Unterstand, den die Soldaten im Ersten Weltkrieg nutzten.
