Grado ist ein historischer Badeort auf einer Laguneninsel an der nordöstlichen Adriaküste Italiens in der Region Friaul-Julisch Venetien. Die Stadt mit rund 9.000 Einwohnern gehört zur Provinz Görz und liegt ganz in der Nähe des nördlichsten Punkts der Adria. Sie wird oft als nördliche Verwandte Venedigs bezeichnet; einst war sie sogar die bedeutendere der beiden Städte. Wie Venedig wurde Grado besiedelt, als die Bewohner römischer Siedlungen auf dem Festland vor aufeinanderfolgenden Invasionen in die Lagunen flohen. Nach dem Fall der römischen Stadt Aquileia, eines wichtigen frühen Zentrums des Christentums, im 6. Jahrhundert wurde Grado Sitz des Patriarchen bzw. Erzbischofs, der für die Inseln der Adrialagune und für Istrien zuständig war. Nach verschiedenen Streitigkeiten – einmal kamen die Venezianer hierher und warfen den Patriarchen von seinem Palastturm – geriet Grado unter den Einfluss Venedigs. Im 11. Jahrhundert zogen die Patriarchen nach Venedig; offiziell verlegt wurde das Patriarchat vier Jahrhunderte später.
Heute ist Grado ein aktiver Fischereihafen mit einer hübschen historischen Altstadt. Vor allem aber ist es ein bedeutender Ferienort mit kilometerlangen, bestens ausgestatteten Sandstränden. Jahrelang gehörte die Gegend zur österreichisch-ungarischen Monarchie, und in dieser Zeit entwickelte sich Grado zum Kurort. Bei österreichischen Gästen ist die Stadt bis heute sehr beliebt. Außerhalb Italiens und Österreichs ist Grado wenig bekannt, obwohl es ein attraktives historisches Reiseziel mit guten Verkehrsverbindungen ist. Die Stadt liegt ganz in der Nähe des Flughafens Triest und ist von Triest und Venedig aus leicht zu erreichen. Sie eignet sich gut als Zwischenstopp bei einer Rundreise durch diesen Teil Italiens, als Ausgangspunkt für einen Besuch der ausgedehnten Ausgrabungen von Aquileia, rund 10 km entfernt, oder als schönes Urlaubsziel für eine Reise, die Sonne, Strand, Besichtigungen und Archäologie verbindet.
Die kleine Altstadt ist zwar hübsch, doch der Ausbau zum Badeort hat der Attraktivität der Insel natürlich stark zugesetzt. Es gibt große Viertel mit Hotels und Apartmentblocks im typisch unschönen modernen italienischen Stil, auch wenn die zentralen Bereiche ansprechender herausgeputzt wurden. Grado ist ein Kompromiss zwischen Charme und Zweckmäßigkeit – und alles in allem schlägt es sich gar nicht schlecht. Seine vielen Facetten machen es auch als Reiseziel zu einem guten Kompromiss: Wenn Ihr Familienurlaub unterschiedlichen Geschmäckern gerecht werden muss, ist Grado eine gute Wahl.
